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Lucca - Pisa - Schotterpass

Geschlafen haben wir super, duschen ist eher Glückssache. Welcher von den drei Tropfen aus dem Duschkopf wird wohl treffen? Die Villa hat 6 große Zimmer von denen 5 zu Gästezimmern mit eigenem Bad umgebaut sind, wobei dieses eher eine kleine Nasszelle im Raum ist und wenn alle gleichzeitig duschen wollen, der Wasserdruck komplett überfordert ist.
Es gibt schlimmeres, zum Beispiel ein zugefrorener Brunnen im Garten. Das Frühstück: eine Herausforderung für die Zahnprothesen, da das Brot wohl gestern übrig geblieben ist. Ja, ich bin auch gegen wegwerfen, und man kann es ja in den Kaffee tunken, ansonsten ist es wirklich sehr urig. Am frühen Vormittag verlassen wir die heiligen Hallen und Lucca. Unser Ziel heute: Ein feiner Brunello zum Abendessen.
Vorher aber noch ein kurzer Abstecher Richtung Westen. Wenn ich schon mal in der Nähe bin, muss ich mir auch das schräge Ding von Pisa anschauen. Und weil ich keine große Lust habe mein Moped hinterher zu suchen, stelle ich es einfach in Sichtweite ab. Bernd ist etwas zögerlich, weil nicht deutlich angeschrieben ist dass man das darf (und das Schild was da steht, naja, ich kann es schlecht lesen, vielleicht brauch ich doch eine Brille).
Ich überlege noch in welche Richtung Pisa nun schräg ist, da kommt eine Politesse und bittet uns ausgesprochen höflich unsere Mopeds wegzuparken. Da wir ohnehin alles gesehen und ausreichend fotografiert haben, fahren wir weiter. Der Herr TomTom rächt sich für unseren kleinen touristischen Aussetzer im Japanstyle und zeigt uns gleich noch die ganze Stadt und die schönsten Industriegebiete. Sehr eigenwillige Pisastudie. Wir halten uns hartnäckig Richtung Osten, schaffen es irgendwann dann doch raus und finden uns auf einem kleinen Feldweg wieder. Brandgeruch steigt uns in die Nase und links sehen wir wie ein Waldbrand schon den ganzen Hügel verwüstet hat. Hubschrauber und Löschflugzeuge fliegen hin und her und versuchen die Flammen zu löschen. Gruselige Szenerie, in der italienischen Presse ist von Brandstiftung die Rede. 
Einige Kilometer begleitet uns der Brandgeruch noch, dann tauchen wir wieder ein in die Hügel der Toskana. 
Der Asphalt wird schlechter, die Schlaglöcher werden größer und irgendwann lässt das Verhältnis zwischen beidem es nicht mehr zu das Straße zu nennen. Wir rumpeln durch kleine Dörfer, Hügel rauf, Hügel runter. Der Asphalt wird irgendwann besser, so dass wir auch wieder die Umgebung mehr wahrnehmen. 
Olivenhaine, Birkenwäldchen und eine märchenhaft schöne Zypressenallee, die sich in harmonischen Serpentinen hinaufschraubt. Da muss ein Perfektionist am Werk gewesen sein. Dazu fabelhafte 20 Grad. Wir kommen dem Sommer näher. Wie war das? Wenns am schönsten ist, soll man ein Päuschen machen.

Irgendwann hören wir den Brunello rufen und schwingen uns doch wieder aufs Moped. Nix los auf den kleinen Nebenstraßen, die Aussichten sensationell. 


Wir lassen San Gimignano und Siena rechts und links liegen, können aus der Entfernung einen Blick auf Voltera werfen und plötzlich ist der Asphalt aus. 

OhNoo, jetzt geht das wieder los. Wem wars denn da bitte bis hierher langweilig? TomTom behauptet es sind nur 3 km Schotter und sagt: das ist keine unbefestigte Straße. Aha, na dann, fahrn wir mal. Tatsächlich, irgendwann sind wir wieder auf Asphalt aber kurz drauf sollen wir wieder links in so einen verdächtig schmalen Weg abbiegen wollen. Angesichts des fortgeschrittenen Nachmittags und einem immer lauter knurrenden Magen entscheiden wir uns das Alphanavi für die letzten 35 Kilometer zu ignorieren und den Schildern nach Montalcino zu folgen. Da sind wir auf der sicheren Seite und ersparen uns weitere Überraschungen. Ja, von wegen!? Keine 5 Kilometer weiter bereue ich die Entscheidung. Das Navi kann grad noch „einschließlich unbefest......“ Ahhhhhhhh. Mir langts. Schotter, Sand, Staub, eine ganz normale Strada Provinciale sagt das Schild. Immerhin mit Kurven, wirds schon nicht langweilig. Rauf und runter, Schilder erzählen was von 15% Steigung, 12% Gefälle. Ein paar Kehren rechtslinksrechtslinksrechts und wieder raufrunter. Das Miststück entpuppt sich als ausgewachsener Schotterpass, dem der letzte Regen auch ein paar kleine gemeine Rinnen reingespült hat, der Rest ist gut festgefahren, immerhin. Bei jeder Kehre und jeder Staubwolke, in die mich entgegekommende Fahrzeuge einnebeln, denke ich: jetzt lohnt es auch nicht mehr umzudrehen. Ungefähr 25 Kilometer geht das so. Dann endlich wieder eine richtige Straße. Und zwei Kurven später der idyllisch auf einem Berg trohnende Weinort Montalcino. Jetzt nur noch einmal falsch abbiegen am Kreisverkehr, dann finden wir mit Ehrenrunde und bissel Glück auch die richtige der fünf Ausfahrten zum Hotel direkt am Eingang zur Altstadt. Hier ist alles steil und eng und der Hotelparkplatz nochmal eine Herausforderung für sich. Ich weigere mich mein Motorrad da runter zu fahren und finde es steht oben ganz prima. Bernd findet das nicht und erbarmt sich. Manchmal darf man auch Mimimimädchen sein :-).

Der Brunello und dazu Papardelle mit Wildschweinragout schmecken gleich noch besser nach dem aufregenden Tag. 

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