Tanken, Essen, Schlafen...

 

Reden wir mal über die Grundbedürfnisse auf einer solchen Reise. Wie oft haben wir vorher gehört: "Passt bloss auf mit dem Essen", nach dem Motto: Schäl es, koch es oder vergiss es. "Schaut rechtzeitig nach einer Tankstelle!", "Habt ihr keine Angst um eure Motorräder?"

All die Ängste und Vorurteile haben wir recht schnell über Bord geworfen...

 

Tanken

 

Tankstellen gibt es an den Hauptstraßen und in größeren Orten mindestens soviele wie Moscheen. Manchmal im kurzen Abstand mehrere hintereinander. Aber auch auf den Nebenstrecken sind wir nicht mit leerem Tank liegen geblieben (Unsere Multis haben eine Reichweite von gut 300 km, bisher bin ich nicht in die Verlegenheit gekommen den Tank zu "vermessen").

Sprit zu finden ist wirklich kein Problem, wenn man sich hauptsächlich auf den befestigten Straßen bewegt. Mit etwas mehr als 11 Dirham pro Liter (umgerechnet ca. 1 Euro/l) vergleichsweise günstig. Die Preise werden, genauso wie der Wechselkurs, staatlich festgelegt und sind somit überall annähernd gleich. Man wird immer bedient und die Jungs an den Tankstellen waren immer sehr vorsichtig beim betanken der Motorräder. Mit manchen haben wir nett geplaudert, viele sprechen ein paar Worte Englisch, manche auch Deutsch.

 

Essen

 

Frühstück ist meist süß: mit frisch gepresstem Orangensaft, selbstgemachter Marmelade, Fladenbrot, warmen Pfannkuchen, Honig, gebratenen Eiern, Kaffee und natürlich: Tee. Manchmal gabs auch Oliven und Frischkäse. Uns hat nie irgendwas gefehlt. Es war immer frisch und reichlich.

 

Mittags haben wir einfach irgendwo angehalten wenn wir Hunger hatten und am Straßenrand die berühmten Rauchzeichen eines Holzkohlegrills lockten. Am ersten Tag im Rif-Gebirge waren wir noch etwas zurückhaltend, aber am zweiten Tag haben wir es dann einfach ausprobiert: Brochettes (Gegrilltes) oder Tajine (die berühmten Keramiktöpfe in denen Fleisch und Gemüse aufgeschichtet und ganz unterschiedlich gewürzt ist). Für Vegetarier vielleicht unerträglich: die toten Tiere hängen bei vielen der kleinen Garküchen und Grills wie eine Girlande unter einem Wellblechdach an der Theke. Das Fleisch wird frisch runtergeschnitten, auf den Grill gelegt oder für eine Tajine-Boeuf direkt in den Fleischwolf geworfen und durchgenudelt. Meistens gabs dazu einen marokkanischen Salat: Gurke, Tomate und Zwiebeln. Es war immer hervorragend, frisch und lecker. Wir haben zu zweit zwischen 80 und 160 Dirham (8-16 Euro) für ein Mittagessen mit Getränken bezahlt. Selten haben wir irgendwoanders so gut und günstig gegessen. Abends waren wir dann meist noch so satt, dass uns ein paar Orangen gereicht haben. Die bekommt man in fast jedem Ort am Straßenrand für 6 Dirham/Kg.

 

Vielleicht hatten wir einfach Glück: aber Montesuma hat uns auf der ganzen Reise verschont. Wir hatten nie die berühmten Magen-Darm-Probleme vor denen immer gewarnt wird. Unsere Medikamente haben wir nicht gebraucht.


Egal wo man hinkommt überall bekommt man einen Willkommens-Tee, auch Berberwhiskey genannt. Das ist nicht einfach nur ein amerikanischer Minztee sondern ein extra starker Grüner Tee mit frischen Minzblättern. In der edlen Variante auch noch mit Orangenblüten. Manchmal wird man gefragt ob man mit oder ohne Zucker möchte. Manchmal ist er einfach nur unfassbar süß. Wasser gibts überall zu kaufen, in Petflaschen. Am Straßenrand im Gebirge werden manchmal Plastikflaschen mit einer trüben braunen Plörre angeboten. Ich weiß nicht was es ist und möchte es auch nicht wissen. 


Schlafen

 

Am besten geschlafen haben wir in den Lehmhäusern. Gebucht haben wir immer über Booking, meist erst am Morgen, wenn wir unsere Route für den Tag geplant hatten. Es hat immer gepasst. Einmal mussten wir ein bisschen suchen, am besten man orientiert sich an den GPS-Daten. Das ist recht zuverlässig. Wir waren nur in Marrakesch in einem etwas größeren Hotel. Weil es mitten in der Stadt war und wir dort die Motorräder direkt am Hotel sicher abstellen konnten. Ansonsten kleine Pensionen... wir waren immer begeistert, bis auf ein einziges Mal, aber das hat immerhin eine unterhaltsame Geschichte hergegeben ;-). Wir haben durchweg günstig gewohnt: zwischen 30 und 60 Euro pro Nacht mit Frühstück für uns beide zusammen, manchmal sogar noch mit Abendessen.

 

Heikel ist es manchmal die gebuchten Unterkünfte zu finden. Man darf sich nicht darauf verlassen, dass das Haus tatsächlich da steht wo es in der Karte markiert ist. Zum Beispiel in der Medina setzen manche Vermieter gerne am Rand der Altstadt eine Markierung, das Haus liegt aber mittendrin im Gassenlabyrinth, da kann man dann schonmal ne gute Stunde suchen. Am besten man orientiert sich an GPS Daten (was in der Medina leider auch nicht wirklich funktioniert).

 

Zelten wollten wir nicht. Wir haben nichts gegen Camping, das macht eigentlich echt Spaß und ist sicher auch sehr romantisch, immer draußen, an einem See oder Fluss, oder mitten im Nirgendwo. Aber: es ist einfach zuviel Geraffel was man auf dem Motorrad mitschleppen muss und günstige Unterkünfte, z.B. Bauernhöfe mit Charme findet man fast überall. Andere Reisende, die wir unterwegs getroffen haben, erzählten, dass es wenig Sinn macht in Marokko ein Zelt mitzuschleppen. Auf den wenigen Campingplätzen und auch im Freien Gelände ist es nicht wirklich gemütlich auf dem meist steinigen und harten Boden zu schlafen, geschweige denn möglich Zeltheringe reinzuklopfen... Die Plätze sind eher WoMo-geeignet. Wer es ganz einfach haben möchte der findet auch bei Familien mal einen Unterschlupf.

 

Fazit

 

Zusammenfassend können wir nur sagen: wenn Du davon träumst mal mit dem Motorrad nach Marokko zu fahren: Mach es einfach! Fahr einfach los, es ist wunderschön. Das Einzige, was wir anders machen würden: Das nächste Mal mehr Zeit nehmen :-)

 

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Kommentare: 1
  • #1

    DER HALBHARTE MANN (Donnerstag, 13 Juni 2019 23:25)

    Ich stimme alle Aussagen in diesem Text zu. Nur ein Aspekt wird hier nicht ausreichend gewürdigt: Die Gefahr beim Tanken zu ertrinken. Ich möchte nicht soweit gehen und für das Tanken in Marokko Schwimmwesten empfehlen, aber ich wäre tatsächlich einmal an um ein Haar an einer Tankstelle abgesoffen. Ich war am Fuße des hohen Atlas und die Tankstelle befand sich in einer Senke. In den Bergen hatte es geregnet. Die Situation war hochdramatisch. Bei Gelegenheit werde ich in meinem Blog darüber berichten. Nur soviel als kleiner Reisetipp: Steht der Tankwart plötzlich hektisch winkend und laut rufend auf dem Dach, sollte man keine Zeit mit zurück winken vergeuden. Am besten ist es, wenn man ganz schnell höheres Gelände aufsucht. Der Regen im Atlas kann nämlich sehr, sehr tückisch sein.

    Herzliche Grüsse
    www.derhalbhartemann.com