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Good Dromedar!

 

...oder: warum es im Sandkasten keine so schlechte Idee ist, zwei Zylinder gegen einen Höcker zu tauschen.

 

 

Es ist angenehm draußen... mit 25 Grad nicht zu kalt, nicht zu warm - ideal. Über eine festgefahrene Sandpiste fahren wir ein paar Kilometer bis zu einer abgelegenen Siedlung. In Afrika sind wir damit das erste mal richtig abseits vom Asphalt unterwegs.

 

 

Wunderbar farbenfroh, in der typischen hellblauen gelbbestickten Berberkluft mit einem Turban auf dem Kopf, steht er im Hauseingang: Hassan erwartet uns schon. Wir hatten uns um 15 Uhr verabredet, die GPS-Koordinaten hatte Hassan uns per mail geschickt. Unser Navi lotst uns erstaunlich zuverlässig durch Marokko, auch hier in der Wüste tut es so, als würde es jeden Stein kennen. Ohne wäre es hierher eher Glückssache gewesen. Auf der Karte ist der Weg und auch der Ort mit seinen 3 Häusern natürlich nicht eingezeichnet, bei einer Auflösung von 1:1 Mio ist diese Erwartung vielleicht auch etwas übertrieben. Andere Karten gibts offenbar nicht, zumindest nicht im Kartenhaus in Freiburg und die sind nun wirklich für solche Sachen sehr gut sortiert.

Hassans Dromedare dösen draußen vor dem Haus. Er macht eine einladende Handbewegung: Welcome... Wir sollen unsere italienischen Kamele einfach im Innenhof parken. Dazu müssen wir erstmal durch die schmale Tür. Um ein Haar hätten wir einen Kran oder einen Vorschlaghammer gebraucht, denn unsere Kleiderschränke hätten wir vermutlich nicht aus der Verankerung bekommen, die Schlösser an den Motorrädern knarzen und verhaken sich. Wir lassen die Koffer lieber zu, bevor garnichts mehr geht. Das hält die Klamotten darin natürlich schön frisch und erleichtert die Entscheidung: was soll ich nur anziehen... dasselbe wie gestern abend, das ist im Häschteckchen (Auf dem Sozius habe ich eine Hecktasche von HELD, die ist perfekt auch für Wochenendtouren, wasserdicht und sie muss einen doppelten Boden haben: ich wundere mich immer wieder was da alles reinpasst. Noch einen Vorteil habe ich an ihr jetzt entdeckt: sie hat kein Schloss was sich verhaken kann, ok ein Zahlenschloss gegen Diebstahl, aber das lässt man dann halt mal weg, wenn es sehr sandig ist). Der Wüstensand will wirklich alles sehen, er hat sich mit dem Wind verschworen um jeden Winkel zu erkunden.

Hassan zeigt uns ein Zimmer in dem wir unsere Sachen lassen und uns umziehen können. Die protektorengepanzerten Mopedklamotten wären auf dem Dromedar sicher nicht ganz die falsche Wahl, aber sieht albern aus. Toilette und Dusche sind auch vorhanden. Er gibt uns zu verstehen, dass wir zwei Plätze haben bis morgen, einmal in seinem Haus und einmal in der Wüste.

 

 

Hassan ist die Gelassenheit in Person. Auch bei ihm hatten wir schon von zuhause aus gebucht. Damals hatte ich kaum glauben können, dass man die Wüste über eins der berühmten Buchungsportale buchen kann, aber es finden sich ganz viele Bivouac in den Sanddünen. Einen der Anbieter hatte ich gefragt, ob man mit dem Motorrad zu seinem Wüstencamp kommt. Keine zwei Minuten später hatte er per mail geantwortet: "Hello. if your motocycle down we have parking security no problem. if high motocycle no problem take road to my bivouac." Wir haben uns sehr amüsiert, wie klein das Netz die Welt doch macht. Und dann haben wir gedacht: Unsere Motorräder sind zwar high, aber nicht in dem Sinne, wie es für die Sanddünen in der Wüste taugen würde. Aber die Jungs haben alle Kamele, da kann man leicht tauschen... also das Fortbewegungsmittel...
Hassan erzählt uns, dass er das mit den Touristenübernachtungen in der Wüste schon seit 18 Jahren macht. Mit ihm kann man auch mehrere Tage Wüstentouren erleben und mit Zelt und Karawane umherziehen. Auf dem Tisch liegt ein Buch: Hassan auf dem Cover. Ein spanischer Motorradreisender hat es vor zwei Jahren geschrieben. Wir blättern darin, trinken Tee, essen Gebäck und Obstsalat - Orangenscheiben und Erdbeeren mit Zimt und Sahne... hmmmmm. Irgendwann kommt Hassan und sagt: die Dromedare sind startklar - wenn wir es auch sind, könnten wir los. Er bindet uns noch den Turban - es könnte windig werden und die Sonne brennen.

 

 

Das Aufsteigen ist noch etwas ungewohnt. Wenn sich so ein vierbeiniges Wüstenschiff aufrichtet schaukelt es gewaltig und man muss aufpassen, dass man nicht gleich wieder unten liegt. Die ersten 20 Minuten geht es auf hartem ausgetrocknetem Lehmboden Richtung Sanddüne. Das ist noch etwas rumpelig, aber Hassan hat versprochen, im Sand wird es gemütlicher. Mit diesen Worten hatte sich der Dromedarchef dann auch verabschiedet und uns Omar überlassen. Omar ist ein echter Wüstenberber und unser Guide. Wir sind wieder die einzigen Gäste, Hassan hatte bis kurz vor dem Start wohl gehofft, dass noch mehr kommen. Er muss zurück in sein "Büro" und sich um die administrativen Dinge kümmern.

 

 

Wir wackeln zuerst mal über eine Art Kamelfriedhof. Links und rechts liegen die Überreste von einigen Tieren. Dann geht es über die Hauptstraße an einem Nobelhotel vorbei und endlich haben die Tiere Sand unter den Hufen.

Das Dromedar hinter mir macht komische Geräusche, es schnauft und lässt sonst noch irgendwo Luft ab. Dabei ist das Gepäck und das Essen doch auf meinem Lastentier?! Nicht, dass es gleich einen Platten hat und einer von uns sich noch von Omar zeigen lassen muss wie das funktioniert mit dem wüsten Schritt... Wenn einer weiss, wie das geht, dann er: Omar schlappt in einem sehr speziellen Wüstengang sicheren Schrittes ohne auch nur einmal im Sand einzusinken. Er macht ein paar Scherze und ein paar Fotos von uns. Wir lassen uns bergauf und bergab durch die Dünen schaukeln.
Einsamkeit sucht man hier also... aha, naja: Jede Menge Touristen sind unterwegs, einige düsen mit Enduros, Quads oder 4x4 durch die Dünen. Wir treffen eine Karawane mit Chinesen. Komisch, die Berber sind auf die Gäste aus Fernost irgendwie nicht gut zu sprechen, das hören wir auf unserer Reise immer wieder.

 

 

Nach 2 Stunden erreichen wir unser Camp. Das Absteigen vom Wüstenschiff ist ähnlich abenteuerlich wie das Aufsteigen, nur halt andersherum. Ich stelle fest, das 2 Stunden im Sattel mehr als ausreichend ist.

 

Diesmal sind wir nicht die einzigen Gäste. Zwei Holländerinnen erkunden schon das Revier. Omar sagt, wir sollten unbedingt rauf auf die Düne vor unseren Zelten. Der Blick soll sich lohnen und vielleicht gibt es einen schönen Sonnenuntergang. Es ist die höchste Sanddüne hier im Erg Chebbi bei Merzouga und wir beschließen rauf zu wackeln. Sind ja nur ein paar hundert Höhenmeter. Ich frage Omar, wie lange man ungefähr braucht da hoch. Er meint: er würde in 30 Minuten da oben sein, wir bräuchten sicher eine Stunde. Ja, es ist nicht ganz einfach, aber barfuss ist es toll, der Sand warm und weich. Manchmal sinkt man ein, dann kann man wieder prima obenauf marschieren. Wir brauchen auch nur eine halbe Stunde, das Splitboarden scheint uns doch auch in der Wüste Vorteile zu verschaffen. 

 

Wie immer sieht man natürlich auf den Bildern nicht ansatzweise wie steil und anstrengend das ist. Bernd überlebt es knapp... ich hab mich schon gewundert, warum er auf den Knien vor mir... ach... die  Wasserflasche hab ja ich ;-)

Übrigens: das Dromedar versucht zwar mit zusammengebundenen Beinen zu fliehen, aber das ist ein gutes Zeichen, dass es noch Kraft hat und den Trip überlebt. Das beruhigt mich etwas, denn morgen früh müssen wir ja auch wieder zurück.

 

 

Die Holländerinnen nehmen das Sandboard mit und kämpfen etwas mehr mit dem Wind.

Als wir oben sind wissen wir was Omar gemeint hat. Es ist fantastisch, auch wenn der Wind den Sand durch die Luft wirbelt und es dadurch ganz diesig ist. Der Sonnenuntergang versteckt sich hinter dicken Wolken. Aber man kann bis zur Grenze nach Algerien sehen, die keine 20 Kilometer entfernt und seit vielen Jahren unüberwindbar geschlossen ist.

 

 

Und dann sind wir einfach nur überwältigt... von den Farben, dem Blick...

 

 

... uns fehlt hier nix. Außer vielleicht ein Friseur ;-) aber das ist ein anderes Thema... das wird dann in Marrakesch eine Rolle spielen...

 

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