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Ein langer Ritt in die Sahara...

 

Nach dem bewegenden und beeindruckenden Tag in der mittelalterlichen Medina von Fès wollen wir früh starten in den Süden.

Die Staubschicht auf unseren Motorrädern ist unberührt. Die Jungs vom Parkplatz haben sie bewacht wie Diamanten.

 

 

Als wir gerade los wollen kommen die Schweizer, die wir von der Fähre kennen. Sie hatten uns ja Fès nochmal sehr ans Herz gelegt und haben auch hier geparkt. Die Jungs sehen etwas müde aus und erzählen, dass ihre Unterkunft doch nicht so toll war wie gedacht. Fröhlich sind sie aber trotzdem und geben uns noch einen Tipp für die Route: wir sollen nicht auf der Nationalstraße fahren, sondern eine kleine Landstraße nehmen. Wir planen kurzerhand die Strecke neu und bollern los.

Der Plan: in einem Ritt bis in die Wüste. Es sind gut 500 km, aber wir schauen mal was geht.

Die Empfehlung der Schweizer ist ein Glücksgriff: wir sind fast alleine unterwegs. Der Seniore geniesst die Aussicht und lässt sich bei 18 Grad den Wind um die Nase wehen.

 

 

Kurvig geht es durch den Mittleren Atlas, der Weg führt uns durch Zedernwälder und dann sehen wir warum man hier auch Skier brauchen kann:

 

 

Am Skiclub vorbei, der hinterm Haus auch einen Schlepplift hat, geht es noch über einen kleinen Pass und dann hinunter in das traumhaft schöne Ziz-Tal mit seinen wilden Felsformationen und den Palmenoasen und einem sehr farbenfröhlichen Berber, der uns eines seiner äußerst kreativ geflochtenen Kamele aus Palmblättern schenken will. Natürlich ist eine Weiterfahrt ohne dieses Kunstwerk undenkbar und so revangieren wir uns ebenfalls mit einem kleinen Geschenk von 10 Dirham, für das er sich überschwenglich bedankt und darauf besteht dass wir auch noch ein Foto als Erinnerung mitnehmen.

 

 

Kurz vor dem Sonnenuntergang endlich die erste große Sanddüne. Keine Fata Morgana... wir haben die Wüste tatsächlich erreicht.  Vorbei am großen Sandkasten der bei Touristen beliebten Wüstenstadt Merzouga fahren wir weiter bis Khemlia. Ein kleiner Ort kurz vor dem Ende der Asphaltstraße und nur wenige Kilometer von der Grenze zu Algerien entfernt.

 

 

Hier muss es sein: das Khamlia Desert Hotel, das ich schon von zuhause aus, voller Vorfreude auf die Wüste, gebucht hatte. Rechts an der Straße ein schicker Lehmbau, etwas größer als die anderen... zwei Frauen in langen bunten afrikanischen Kleidern winken und rufen uns etwas zu, ein nachtschwarzer Mann in einem langen weissen Kaftan läuft auf uns zu, sagt irgendwas auf französisch und lotst uns hinters Haus...

 

"You have a reservation!" das ist keine Frage, sondern eine Ansage. Mohammed, kurz Ahmed, heisst uns herzlich Willkommen, zeigt uns unser Zimmer und das tolle Lehmhaus. Nein, um die Motorräder müssten wir uns keine Sorgen machen. Hier passiert nichts, sagt er. Und dann nimmt er uns mit nach oben auf die wunderschöne und gemütliche Terasse des Hauses und wir trinken zusammen... na was wohl... "Berberwhisky" wie der Minztee hier gerne genannt wird :-)

 

Bei einer tollen Aussicht auf die Wüste und den Sonnenuntergang relaxen wir bis Ahmed uns irgendwann zum Abendessen ruft. Es gibt Tajine Poulet, dazu marokkanischen Salat. Als wir uns ins Bett verabschieden will Ahmed noch wissen wann wir frühstücken wollen. Auf meine Frage wie es hier sonst ist, wann man so frühstückt. lacht er nur und sagt, so etwas kennen wir hier nicht: "...wir essen wenn wir Hunger haben." Essen wenn man Hunger hat und schlafen wenn man müde ist. Das gefällt uns, das werden wir für den Rest des Urlaubs auch so halten.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Laura (Dienstag, 01 Mai 2018 12:55)

    Du wirfst ganz schön lange Schatten ...

  • #2

    SuseMoto (Freitag, 04 Mai 2018 11:08)

    Laura, Du weisst ja: "große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus" ;-)