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Alle (zwei) Jahre wieder... WDW wir kommen

Magnet Misano zieht wieder...

 

Der Schwarzwald verabschiedet mich feuerrot. Auf dem Weg zum besten aller Reisebegleiter waren die Gewitter zum Glück schneller. Morgen früh starten wir zur WDW...eingefleischte Ducatisti kriegen bei den drei Buchstaben leuchtende Augen... alle anderen verdrehen sie vermutlich nur 🤪 Die WDW = World Ducati Week in Misano Adriatico ist für Fans der Diva aus Bologna das was für Freunde derTuttelbären die BMW Motorrad Days in Garmisch und für Fetischisten der Rüttelplatten das Harley-Treffen in Faak am See ist... UND: ja, Uli, du hast sooo recht - auch das, was die Triumph-Days in Neukirchen/Ö für Dreizylinderfreunde sind, bzw. mal waren... nur, dass die WDW in Misano halt etwas weiter weg ist, zumindest für uns.


Der Lichttest funktioniert hervorragend, als ich bei Bernd ankomme ist es 23 Uhr und schon länger nicht mehr hell. Ja die Tage werden wieder kürzer. Also muss man sie intensiver nutzen.

Der Weg ist das Ziel...

 

... und da der Weg weit ist muss man Kompromisse machen. Traditionell ist die World Ducati Week italienisch... auch wenn man inzwischen deutlich den Einfluss der deutschen Chefetage spürt. Vor dem Ducati Werk in Bologna stehen Dienstwagen mit den vier verknoteten Ringen auf dem Kühlergrill. Aber wie schon seit 1999 wird der italienischen Diva im 130 km entfernten Misano Adriatico alle zwei Jahre gehuldigt. (Ja bevor mich irgendein Insider haut: einmal waren es drei Jahre, zwischen 2007 und 2010, das war eine schwere Zeit.) 

Von uns zuhause Luftlinie sind es etwas mehr als 800 km. Aber dazwischen liegen die Alpen und ein paar hübsche kleine Spitzkehren und zigtausend Höhenmeter für die man gerne einen Umweg in Kauf nimmt. Gut 400 km wollen wir heute Richtung Südtirol. Na gut, es sind fast 500... 

 

Die ersten Kilometer lassen wir auf schnellem Weg durchs Allgäu hinter uns. Schade eigentlich denn das Grün ist so einladend grün und das Himmelblau so ramontisch blau, dass es fast weh tut. Kurz vor dem Fernpass ein schneller Kaffee und dann gehts durchs Ötztal rauf zum Timmelsjoch.

 

Es wird uns weder langweilig noch fühlen wir uns einsam mit unserem „Flitz“. Die Ducati-Dichte auf der Strecke ist enorm. Eine Gruppe aus Holland und ein paar Briten sind mal vor, mal hinter uns und es ist jedesmal, wenn wir an Foto- oder Futterstopps aneinander vorbei fahren, ein wildfröhliches Gewinke und Gehupe. Nein nein, gar nicht peinlich.
Überall Aussicht und Gegend ohne Ende... Weiter gehts zum Jaufenpass nach einer kleinen Speckknödelsuppenstärkung, als ob es nicht schon heiß genug wäre - selbst hier oben, wo die Luft schon dünner wird brennt der Planet und das laue Lüftchen bringt kaum Erfrischung. Es hat auf 2400 m sagenhafte 25 Grad.
Ein schnelles Dickebackenpassfoto und weiter Richtung Dolomiten. Als wir nach Gröden abbiegen wissen wir wieder warum Juli keine gute Reisezeit ist für Motorradtouren auf der Sellarunde. Stop and Go, von Baustelle zu Baustelle können wir jede Kehre in ihrer vollen Schönheit in Zeitlupe genießen. Wir schnecken über das Sella Joch und biegen ab Richtung Passo Pordoi. Die letzten Kehren haben wir dann fast für uns alleine. Im Walzertakt mit drei Gängen wedeln wir hinauf und genießen die Aussicht: auf die Berge, ein kühles Helles und eine erfrischende Nacht.

Tag 2: von den Dolomiten an die Adria


Wir schlafen hier oben auf dem Zweithöchsten der Dolomiten, Passo Pordoi 2239 m, wie die Murmeltiere, kein Pfeifen kann uns wecken. Und so starten wir nach einem sehr feinen Frühstück viel zu entspannt und vor allem gefühlt viel zu spät zur zweiten Etappe. 
Egal, wir wollen noch ein bisschen die Dolomiten genießen und so gehts erstmal Richtung Cortina. Kurz vor dem Skiort biegen wir rechts ab zum Märchenpass Giau. Längst kein Geheimtipp mehr aber wunderschön zu fahren und landschaftlich ein Traum.

Kleiner Kaffee- und Knipsstopp und runter gehts. Wir haben nur grob geplant, die Karte vage im Kopf und im Gepäck (die praktischen kleinen Tankrucksäcke haben keinen Platz für oldschool Papierrouting). Mister TomTom macht seine eigenen Pläne und lotst uns erstmal wieder, wie sich das für eine Sellarunde gehört, zurück rund um das Marmoladamassiv. Sehr schön, aber: Nein wir wollen jetzt nicht auf dem schnellsten Wege nach Belluno., obwohl wir merken die Zeit verfliegt wie nichts. Nach der kleinen sehr schönen Ehrenrunde finden wir schon im zweiten Anlauf den Weg zum Passo Duran: vom Passo di Giau über Forcella Staulanza. Dann endlich ein Schild, ohne das hat man keine Chance in dem kleinen Örtchen Zoldo Alto den verwinkelten schmalen Einstieg zum Duran zu finden. Vor einem kleinen Restaurant stehen drei Ducatis, ansonsten sind wir ab jetzt auf dem schmalen steilen und kurvenreichen Rodeopässchen ganz alleine. Was für ein Spaß, das Fahrwerk der PiPe hat endlich wieder richtig zu tun. 
Wir lassen den beeindruckenden Blick in alle Richtungen etwas länger auf uns wirken und essen eine Kleinigkeit im Rifugio San Sebastiano auf der Passhöhe. Wenn Misano nicht so weit wäre würde ich hier glatt länger bleiben. Die Wanderer dösen noch immer in den Liegestühlen als wir ein klein wenig neidisch wieder aufbrechen. Aber wir müssen weiter wenn wir noch vor der Dunkelheit ankommen wollen. 

Monte Grappa, heißer Po und ein gieriger Mautomat

 

Weiter gehts Richtung Süden, zielsicher routet uns das AlphaNavi ohne weitere Tricks und Umwege auf das kleine Sträßchen hoch zum Monte Grappa. Es ist immer wieder ein Genuss, sich dort hochzuschrauben. Dieser Berg ist zwar mit etwas mehr als 1700 Metern nicht spektakulär, aber ziemlich geschichtsträchtig. Im ersten Weltkrieg ein Schlachtfeld auf dem zehntausende italienische und österreichische Soldaten starben. Heute Kriegsmahnmal mit Rundumblick.

 

Wir lassen den Blick in alle Richtungen schweifen und schauen hinunter in die flirrende Hitze der Po-Ebene, bevor wir genau dort eintauchen. Die letzten wunderbaren Kehren vom Monte Grappa hinunter geniessen wir doppelt, so schön wirds heute nicht mehr.

 

Herr TomTom empfiehlt uns  die Route über die A 31 Vicenca, da die Autobahn über Padua wohl mit Hindernissen gespickt ist. Nach einer nicht erwähnenswerten Schlängelei durch den dichten Feierabendverkehr in Richtung A31 haben wir auf selbiger sensationell freie Fahrt - bis ein ziemlich gieriger Mautomat die zügige Reiserei sehr frech stoppt.

 

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